Am ersten Septemberwochenende fand bereits zum 15. Mal die halbjährliche Konferenz der Mitglieder der QueerFootballFanclubs „QFF“ statt. Diesmal hatte der Sprecherrat nach Nürnberg eingeladen, so wandelte sich Nürnberg drei Tage lang zur Fußball-Fan-Hauptstadt Europas.
Wir sind dabei stolz, dass wir als Gastgeber knapp 100 Teilnehmer – überdurchschnittlich viele – begrüßen durften. Das internationale Fan-Netzwerk QFF, in welchem über 1.200 Fans aus Deutschland, Spanien, der Schweiz und der Niederlande zusammengeschlossen sind, berät über die Aufnahme neuer Mitgliedsorganisationen, debattiert über die Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden, Polizei und plant gemeinsame Aktionen gegen Homophobie im Fußball.
Podiumsdiskussion rund um das Thema Coming-Out
Neben der internen Tagung am Samstagvormittag war die öffentliche Podiumsdiskussion am Nachmittag ein weiterer Höhepunkt. Zur Frage „Was bringt das Coming-Out eines Profifussballers?“ wurde mit den Gästen Birgitt Glöckl (Deutsche Akademie für Fußballkultur), Ralph Gunesch (Fußballprofi beim FC Ingolstadt 04), Alex Schmidt (Fanzine Achterwahn), Christian Mössner (Fanzine Ya Basta!) sowie Hannes Orth (Fanbeauftragter des 1. FC Nürnberg) und Dirk Brüllau (Pressesprecher QFF) debattiert. Moderiert wurde die lebendige und spannende Diskussion von Schriftsteller Jens Schadendorf, der zur Einleitung einige Textpassagen aus seinem kürzlich erschienenen Buch „Der Regenbogenfaktor“ vorlas.
Die Teilnehmer waren sich letztendlich darüber einig, dass es sinnvoll ist, in enger Zusammenarbeit mit anderen Fan-Organisationen ein tolerantes Umfeld zu schaffen und einem Profifußballer die Möglichkeit zu geben, so zu sein wie er ist, als vehement ein Coming-Out zu fordern. Dies ist nur durch stetige intensive Gespräche sowie gemeinsamer Aktionen in den Fankurven (z. B. Spruchbänder gegen Homophobie) möglich. Ralph Gunesch sorgte bei den Teilnehmern mit seinem Zitat „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?“ für viel Applaus und Anerkennung.
Geselliges Beisamensein und Meinungsaustausch
Natürlich kam auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. Die meisten Teilnehmer reisten schon am Freitag an, erste Anlaufstelle war die Lorenzkirche mit einer von uns bestens organisierten Stadtführung durch das historische Nürnberg. Das Abendessen wurde im Bratwurst Röslein eingenommen. Wer vom leckeren Essen und süffigem Bier noch nicht genug hatte, ging anschließend noch mit ins Cartoon.
Aufgrund der milden Temperaturen fand dort überwiegend eine Freiluftveranstaltung statt, die für einige erst mit dem Abschließen des Wirts endete. Samstag Abend nach der Tagung ging es zum gemeinsamen Abendessen in die Hüttn. Wer noch in der Lage dazu war konnte sich in der Großen Liebe die Kalorien wieder abzappeln, der gemütlichere Teil traf sich überwiegend im Pigalle. Am Sonntag beendeten die meisten Teilnehmer das Wochenende mit einem gemeinsamen Brunch im Marientorzwinger.
Das tolle Feedback der Teilnehmer hat uns bestätigt, dass sich die fast einjährige intensive Vorbereitung gelohnt hat. Da auch das Wetter mit drei sonnigen, warmen Tagen mitspielte, wurde das Treffen zu einem unvergesslichen Ereignis. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass alle queeren Fanclubs das Motto leben: „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache“.
Wermutstropfen
Leider gaben die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg ein dürftiges Bild ab. So wurde uns weder organisatorische noch finanzielle Hilfe seitens des Clubs zuteil. Auch für die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion konnte (wollte?) kein Profispieler abgestellt werden, obwohl uns gerade dies wochenlang vorher zugesichert worden war. Nicht einmal zu einem schriftlichen Grußwort raffte sich der Vorstand oder die Pressestelle auf.
Negativer Höhepunkt war dann am Sonntag der vergebliche Besuch des Clubmuseums von 14 queeren Fußballfans aus 5 Fanclubs, die sich extra die Zeit und die Fahrtkosten auf sich genommen hatten. Trotz Einhaltung der im Internet veröffentlichten Öffnungszeiten fanden wir verschlossene Türen vor.






